Ein Diabetes-Patient schrieb mir voller Stolz: "Dr. Wu, meine Blutzuckerwerte sind jetzt ausgezeichnet kontrolliert. Ich habe an einem speziellen Programm teilgenommen – solange ich keine kohlenhydratreichen Hauptmahlzeiten esse, bleibt mein Blutzucker völlig normal: unter 6 mmol/L nüchtern und unter 8 mmol/L nach dem Essen." Sofort war mir klar: Er lässt Hauptmahlzeiten aus und stillt seinen Hunger nur mit Gemüse und Proteinen. Ich riet ihm: "Achten Sie auf Ihre Gewichtsentwicklung. Sie sind bereits schlank, und Ihre Insulinfunktion ist ohnehin beeinträchtigt. Langfristig ist diese Art der Blutzuckersenkung riskant und kann zu Problemen führen." Er hörte nur halbherzig zu und nahm es nicht wirklich ernst.

Liebe Freunde, dies ist ein typischer Irrtum in der Diabetesbehandlung, der unter Patienten weit verbreitet ist: Die Annahme, dass weniger oder keine kohlenhydratreichen Mahlzeiten automatisch zu niedrigeren Blutzuckerwerten führen. Ja, Glukose stammt aus der Nahrung – weniger Essen bedeutet tendenziell niedrigere Werte. Doch die Diabetesbehandlung zielt darauf ab, den Glukosestoffwechsel zu regulieren, indem die Insulinfunktion verbessert wird – nicht auf einen radikalen, unkontrollierten Blutzuckerabfall. Egal ob Ihr behandelnder Arzt Experte oder Professor ist: Wenn er sich nur stur auf Laborwerte fixiert und ohne Rücksicht auf den individuellen Patientenzustand immer mehr Medikamente zur Senkung dieser Werte verschreibt, handelt es sich nicht um einen qualifizierten Diabetologen. Das fachliche Niveau ist dann unzureichend.

Ich bin zwar kein berühmter Experte, aber meine beiden Lehrer waren früher Leiter der Endokrinologie in Militärkrankenhäusern – mit herausragender fachlicher Kompetenz. Mein Wissen verdanke ich ihnen, ebenso wie das Behandlungskonzept für Diabetes. Der Ansatz des "ambulanten Diabetesmanagements" wurde von meinem Lehrer erstmals in China eingeführt.

Mein Lehrer hatte viele Schüler, die heute in großen Krankenhäuszen der höchsten Versorgungsstufe arbeiten. Ich war der jüngste, gewissermaßen der letzte Schüler, den er annahm – vielleicht wird der Jüngste ja am meisten verwöhnt. Jedenfalls übergab mir mein Lehrer über zehn Jahre hinweg sein lebenslanges Wissen und seine klinischen Erfahrungen zur Diabetesbehandlung. Seine Hoffnung war, dass ich dieses Wissen nutze, um Menschen zu helfen, wenn er selbst nicht mehr praktizieren kann. Dieser Überzeugung werde ich, Dr. Wu, stets treu bleiben und Sie weiterhin bestmöglich unterstützen.