Bei Patienten mit dieser Erkrankung ist eine normale Blutzuckereinstellung allein mit Langzeitinsulin nicht möglich.
Ein Diabetespatient mit einer 20-jährigen Krankengeschichte hatte stets schlecht eingestellte Blutzuckerwerte: Nüchtern lagen sie bei etwa 7–8 mmol/l, postprandial meist bei 12–13 mmol/l, mit starken Schwankungen. Nachdem er meine Videos gesehen hatte, schrieb er mir: „Dr. Wu, ich habe alle Ihre Videos angesehen. Sie sprechen uns Diabetikern wirklich aus der Seele. Bitte helfen Sie mir herauszufinden, was los ist. Trotz Insulininjektionen sind meine Werte immer noch nicht gut, die Kontrolle wird immer schwieriger, und ich nehme rapide ab – in den letzten sechs Monaten von 70 kg auf 55 kg. Ich traue mich kaum, eine einzige Mahlzeit zu mir zu nehmen. Wenn ich auch nur ein bisschen mehr esse, steigt der Blutzucker, aber ohne Essen habe ich Hunger. Den ganzen Tag fühle ich mich erschöpft und schwach. Der Einfachheit halber spritze ich jetzt nur noch abends einmal Insulin Glargin.“
Analysieren wir, warum es diesem Patienten so geht.
Erstens: Bei einer 20-jährigen Krankengeschichte mit langfristig schlechter Blutzuckereinstellung ist die Insulinfunktion bereits stark beeinträchtigt. Die Insulinsekretion ist unzureichend, und die Fettsynthesefähigkeit ist vermindert. Daher kommt es zu starken Blutzuckerschwankungen und rapidem Gewichtsverlust.
Zweitens: Das Ernährungsmanagement ist unzureichend.
Die Probleme konzentrieren sich auf abnormale postprandiale Blutzuckerwerte, hauptsächlich aufgrund einer unausgewogenen Ernährung. Viele haben ein falsches Verständnis von diabetischer Ernährung und denken, es gehe nur um weniger Essen – das ist zu einseitig. Das Ernährungsmanagement bei Diabetes muss umfassend sein: Die Zusammensetzung sollte ausgewogen sein, mit angemessenen Anteilen an Proteinen, Gemüse und Kohlenhydraten entsprechend den individuellen Bedürfnissen. Es geht um vollwertige Ernährung, nicht um Hungern.
Dieser Patient hat aus Angst vor hohen postprandialen Werten kaum gegessen und gehungert, was ebenfalls zum Gewichtsverlust beigetragen hat.
Drittens: Symptome wie Erschöpfung und Schwäche sind Anzeichen für einen Glukosemangel in den Zellen.
Glukose ist eine wichtige Energiequelle für unseren Körper. Bei der Blutzuckerkontrolle geht es darum, übermäßige Glukoseaufnahme zu begrenzen und gleichzeitig die Glukoseverwertung des Körpers zu steigern. Die Glukose im Blut muss in die Zellen gelangen, um alle Organe zu versorgen – nicht einfach durch weniger Essen oder Hungern.
Das sind die drei wesentlichen Aspekte von Diabetes: Insulinfunktionsstörung, Glukosemangel in den Zellen und erhöhter Blutzucker.
Viertens: Die Medikation ist unangemessen.
Insulin Glargin ist ein Langzeitinsulin mit sehr langsamer Freisetzung und geringer Dosierung – durchschnittlich etwa 1–1,5 Einheiten pro Stunde. Es dient hauptsächlich der Kontrolle des Basal- und Nüchternblutzuckers, hat aber nur schwache Wirkung auf postprandiale Werte. Daher ist die gesamte Medikamentenkombination unzureichend, da es an einer gezielten Behandlung der postprandialen Werte fehlt.
Nach der Aufnahme in das ambulante Management habe ich persönlich seine Therapie angepasst. Innerhalb weniger Tage normalisierten sich seine Blutzuckerwerte, und Symptome wie Erschöpfung und Schwäche verschwanden. Innerhalb von drei Monaten stabilisierte sich sein Gewicht bei etwa 62,5 kg, und sein Allgemeinzustand verbesserte sich deutlich. Hier ist der Therapieplan, den ich für ihn erstellt habe:
1. Wiederaufnahme einer normalen Ernährung: Drei Mahlzeiten täglich, satt werden, aber nicht überessen, mit ausgewogener Zusammensetzung.
2. Zusätzliche Gabe von kurz wirksamem Insulin Aspart vor jeder Mahlzeit zur Kontrolle der postprandialen Werte.
Nun könnte man fragen: Wird die Medikamentendosis nicht erhöht, wenn viermal täglich Insulin gespritzt wird?
Ich betone: Bei Patienten mit stark eingeschränkter Insulinfunktion und unzureichender Sekretion muss Insulin in ausreichender Dosierung unter ärztlicher Anleitung angewendet werden – Bequemlichkeit darf nicht im Vordergrund stehen. Wichtig ist, dass bei diesem Patienten nach Verbesserung der Insulinfunktion und Stabilisierung der Blutzuckerwerte die Insulininjektionen von ursprünglich viermal auf zweimal täglich reduziert werden konnten. Das Ergebnis ist sehr gut, und der Patient ist zufrieden.
Zusammenfassend: Bei der Diabetestherapie müssen die Verbesserung der Insulinfunktion und die ausreichende Glukoseversorgung der Zellen an erster Stelle stehen. Wenn nur der Blutzuckerwert um jeden Preis gesenkt wird, kann dies leicht in eine Sackgasse führen.
In unseren zukünftigen Aufklärungsvideos werden wir nach diesem Muster vorgehen, damit Sie aus den Erfahrungen anderer Patienten schrittweise Wissen zur Blutzuckerkontrolle erwerben können.