Nach der Wintersonnenwende beginnt die "Neunundneunzig-Tage-Periode": Wie können Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel stabil halten? Ein berühmter Arzt der Traditionellen Chinesischen Medizin verrät die Gesundheitsregeln!
Die Wintersonnenwende ist gerade vorbei. Da der Zenit der Sonne ihren südlichsten Punkt erreicht hat, erleben wir auf der Nordhalbkugel den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres, was auch den offiziellen Beginn der "kältesten Periode des Winters" bedeutet.

Für viele Menschen mit Diabetes bedeutet dies nicht nur einen Wechsel der Jahreszeiten, sondern auch eine Bewährungsprobe für ihre Fähigkeit, den Blutzucker zu managen. Warum schwankt der Blutzucker bei kaltem Wetter leichter? Und welche gesundheitlichen Weisheiten, die sich nach dem Jahreszyklus richten, können uns helfen, stabil durch den Winter zu kommen?
In dieser Ausgabe haben wir speziell Li Wei, eine berühmte Ärztin der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) der Provinz Gansu, Chefin der Abteilung für TCM am Lanzhou Ruijing Diabetes Hospital, eingeladen. Basierend auf der TCM-Theorie der "Harmonie zwischen Mensch und Natur" erläutert sie die wichtigsten Gesundheitsaspekte für Menschen mit Diabetes nach der Wintersonnenwende.
01 Bei eisiger Kälte – Warum schwankt der Blutzucker leicht?
Bei eisigen Temperaturen stellen viele Menschen mit Diabetes fest, dass ihr Blutzucker selbst bei unveränderter Ernährung und Medikamenteneinnahme schwieriger zu kontrollieren ist als in wärmeren Jahreszeiten. Direktorin Li Wei weist darauf hin, dass dafür mehrere physiologische und Umweltfaktoren verantwortlich sind.
Erstens regt Kälte das sympathische Nervensystem des Menschen an und versetzt es in einen erregten Zustand. Diese Erregung führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Katecholaminen (wie Adrenalin) im Körper, was den Abbau von Leberglykogen fördert und zu einem kurzfristigen Anstieg des Blutzuckerspiegels führt.
Zweitens erhöht sich der Grundumsatz des Körpers leicht, um die Kerntemperatur aufrechtzuerhalten, was den Energieverbrauch steigert. Manchmal führt dies zu einem unbewussten Anstieg des Appetits, insbesondere auf kalorienreiche Lebensmittel.
Darüber hinaus nehmen im Winter die Sonnenstunden ab und die Outdoor-Aktivitäten sind eingeschränkt, was allgemein zu weniger Bewegung führt. Dies verringert die Insulinempfindlichkeit und die Effizienz, mit der die Muskeln Glukose verbrauchen, was die Blutzuckerkontrolle weiter erschwert.
02 Winterernährung – Es geht nicht um blindes Stärken
Im Volksmund heißt es: "Stärkt man sich zur Wintersonnenwende, ist man das ganze Jahr über voller Vitalität." Doch Direktorin Li Wei betont, dass es für Menschen mit Diabetes im Winter darauf ankommt, "ausgewogen" und "geschickt" zu stärken, anstatt blind hochkalorische, fettige und schwere Speisen zu sich zu nehmen, da dies die Stoffwechselbelastung erhöhen würde.
Bevorzugung von wärmenden Nahrungsmitteln zum Schutz des Yang-Qi von Milz und Niere
Nach Auffassung der TCM entspricht der Winter der Nieren und ist die beste Zeit, um die Nieren zu nähren, das Yang-Qi zu bewahren und zu schützen. Bei der Ernährung können einige neutrale oder leicht wärmende Lebensmittel ausgewählt werden:
- Fleisch: Kann in Maßen verzehrt werden, z.B. Lammfleisch, mageres Rindfleisch, Hähnchen ohne Haut, etc., etwa 50-100 Gramm pro Tag (etwa handtellergroß), um hochwertiges Protein bereitzustellen. Beim Kochen werden Schmoren, Kochen oder Dämpfen empfohlen, wobei das aufsteigende Fett abgeschöpft werden sollte.
- Wurzelgemüse und Hülsenfrüchte: Yamswurzel und Kürbis stärken die Milz und haben einen relativ kontrollierbaren glykämischen Index; Schwarze Bohnen und Goji-Beeren helfen, die Nieren zu tonisieren und das Essenz zu nähren.
- Nahrungsmittel mit Heilwirkung: Beim Zubereiten von Suppen oder Brei kann eine kleine Menge Astragaluswurzel oder Angelica sinensis hinzugefügt werden, um die Qi- und Blut-Bildung zu fördern.
Anpassung der Essensreihenfolge für einen effektiv stabilen postprandialen Blutzucker
Direktorin Li Wei erklärt, dass eine einfache Änderung der Essgewohnheiten helfen kann, den postprandialen Blutzucker zu kontrollieren: Entwickeln Sie die Gewohnheit, in dieser Reihenfolge zu essen: "zuerst Suppe trinken → dann Gemüse essen → anschließend Protein (Fleisch/Ei/Hülsenfrüchte) → zuletzt die Hauptkohlenhydratquelle".
Diese Reihenfolge erhöht das Sättigungsgefühl, verlangsamt die Aufnahme von Kohlenhydraten aus der Hauptmahlzeit und lässt den Blutzucker langsamer ansteigen.
Erhöhung der Ballaststoffzufuhr, Kombination von "feinen" und "vollen" Getreidesorten bei der Hauptnahrung
Reduzieren Sie nicht den Gemüsekonsum, nur weil es kalt ist. Täglich sollten mindestens 500 Gramm Gemüse verzehrt werden, davon mehr als die Hälfte Blattgemüse. Bei den Hauptnahrungsmitteln sollte mindestens ein Drittel von poliertem Reis und Weißmehl durch Vollkornprodukte wie Hafer, braunen Reis oder Buchweizen ersetzt werden. Ballaststoffe sind ein guter Helfer bei der Zuckerontrolle.
03 Lebensweise und Bewegung – Dem Weg des "Winterspeicherns" folgen
Im "Buch des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin" heißt es: "Die drei Wintermonate werden als Zeit des Verschließens und Speicherns bezeichnet ... man soll früh schlafen gehen und spät aufstehen, und unbedingt das Sonnenlicht abwarten." Direktorin Li Wei erklärt, dass der Kern der Wintergesundheitspflege im "Speichern" liegt – dem Bewahren des Yang-Qi und des Geistes des Körpers.
Kälteschutz und Wärmebewahrung, Schutz der Schlüsselbereiche
Wärme ist die erste Verteidigungslinie zur Blutzuckerkontrolle im Winter. Kältestimulation kann nicht nur den Blutzucker erhöhen, sondern auch kardiovaskuläre Ereignisse auslösen. Direktorin Li Wei warnt besonders davor, drei Schlüsselbereiche zu schützen:
- Kopf und Nacken: "Der Wind dringt von hinten herein." Beim Ausgehen sollten Mütze und Schal getragen werden, um den Nacken vor Wind und Kälte zu schützen.
- Taille und Bauch: Verhindern Sie, dass Milz und Magen auskühlen, was die Verdauungsfunktion beeinträchtigen könnte.
- Füße: Menschen mit Diabetes müssen besonders auf die Wärme und Durchblutung der Füße achten. Tragen Sie dicke Socken und warme Schuhe, untersuchen Sie täglich Ihre Füße auf Risse oder Verletzungen, um diabetischen Fußproblemen vorzubeugen.
Bewegung sollte sanft sein und zur richtigen Zeit erfolgen
Bei der Bewegung im Winter sollte man nicht starkes Schwitzen anstreben, um ein Entweichen des Yang-Qi und einen Verlust der Körpersäfte zu vermeiden. Es sollten sanfte Indoor-Aktivitäten wie Tai Chi, Baduanjin oder Yoga gewählt werden.
Die beste Zeit für Bewegung ist zwischen 9-10 Uhr morgens oder 15-16 Uhr nachmittags, wenn das Sonnenlicht stark ist und die Temperaturen steigen. Vermeiden Sie Training im Freien in den kalten, windigen Morgen- oder Abendstunden.
Bei Regen, Schnee oder Smog kann die Bewegung problemlos drinnen stattfinden. Vor dem Sport sollte man sich aufwärmen, bis der Körper leicht erwärmt ist und man leicht zu schwitzen beginnt.
04 Gemütsverfassung und Überwachung – Innere Bewahrung und äußere Beobachtung sind unerlässlich
Regulierung der Gemütsverfassung, Vermeidung der "Winterdepression
Im Winter sind die Tage kurz, die Natur wirkt abgestorben, und Menschen neigen zu niedergedrückten, melancholischen Gefühlen, was in der TCM als "Trauer im Herbst und Verletzung im Winter" bezeichnet wird. Diese negativen Emotionen können das endokrine System beeinflussen und zu Blutzuckerschwankungen führen.
Direktorin Li Wei empfiehlt Menschen mit Diabetes, bewusst ihre Gemütsverfassung zu pflegen: Tagsüber mehr Sonnenlicht tanken; ruhige Hobbys wie Kalligraphie, Gartenarbeit oder Musikhören pflegen; mehr mit Familie und Freunden kommunizieren. Vor dem Schlafengehen die Füße in warmem Wasser baden und die Taichong- und Neiguan-Akupressurpunkte massieren, um den Geist zu beruhigen.
Verstärkte Überwachung, rechtzeitige Warnung
Nach der Wintersonnenwende schwankt der Blutzucker aufgrund der genannten Faktoren leichter. Daher ist eine verstärkte Blutzuckerüberwachung besonders wichtig.
Direktorin Li Wei empfiehlt, dass Menschen mit Diabetes neben der routinemäßigen Nüchternblutzuckermessung auch besonders auf den Blutzucker zwei Stunden nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen achten sollten. Wenn der Blutzucker kontinuierlich zu hoch ist oder zu stark schwankt, sollte man umgehend einen Arzt konsultieren und den Behandlungsplan anpassen, anstatt die Medikamente eigenständig zu ändern.
Gleichzeitig sollte auch der Blutdruck regelmäßig gemessen werden, und auf den Hautzustand der Füße sowie Gewichtsveränderungen geachtet werden, um Komplikationen umfassend vorzubeugen.
05 Besonderheiten der TCM zur Unterstützung der ganzheitlichen Regulierung
Als berühmte TCM-Ärztin der Provinz Gansu weist Direktorin Li Wei darauf hin, dass auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Diabetesmanagements eine Regulierung basierend auf der ganzheitlichen Sichtweise der TCM oft einen "1+1>2"-Effekt erzielen kann.
Die TCM zielt nicht einfach darauf ab, den "Zucker zu senken". Stattdessen wird durch eine syndrome-differenzierte Behandlung, die auf die verschiedenen Konstitutionen der Menschen mit Diabetes (wie Yin-Mangel mit innerer Hitze, Qi- und Yin-Mangel, Yin- und Yang-Mangel etc.) abgestimmt ist, mit chinesischen Kräutern, Akupunktur, Akupressur und anderen Methoden das Gleichgewicht von Qi, Blut, Yin und Yang reguliert, um Symptome wie Mundtrockenheit, Müdigkeit und Gliedertaubheit zu verbessern.

Für Menschen mit Diabetes, die im Winter häufig unter Frösteln, Kältegefühl und schwachen, schmerzenden Lenden und Knien (Anzeichen von Nieren-Yang-Mangel) leiden, kann beispielsweise unter ärztlicher Anleitung eine wärmende, nierenstärkende Regulierung durchgeführt werden. Bei diabetesbedingten peripheren Neuropathien mit Taubheitsgefühlen und Schmerzen in den Gliedmaßen aufgrund von Kälte können chinesische Arzneimittel zur inneren Einnahme und äußeren Waschung die lokale Durchblutung deutlich verbessern und die Symptome lindern.
06 Besonderer Hinweis: Bei diesen Warnsignalen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden
Zum Abschluss des Interviews warnt Direktorin Li Wei alle Menschen mit Diabetes ernsthaft: Der Winter ist eine Jahreszeit, in der verschiedene Diabeteskomplikationen leicht und häufig auftreten. Die Gesundheitspflege zielt auf Vorbeugung ab, aber sobald die folgenden "Alarmsignale" des Körpers auftreten, dürfen sie nicht auf die leichte Schulter genommen oder ignoriert werden – suchen Sie sofort einen Arzt auf.
- Signale für "außer Kontrolle geratenen" Blutzucker: Bei wiederholten Selbstmessungen zu Hause liegt der Blutzuckerwert kontinuierlich und deutlich über dem individuellen Zielwert, den der Arzt festgelegt hat (z.B. Nüchternblutzucker >13,9 mmol/L), oder es treten häufig unerklärliche hypoglykämische Episoden auf, die sich durch eigene Anpassungen von Ernährung und Bewegung nicht verbessern.
- Anzeichen akuter Komplikationen ️: Auftreten von Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Atembeschwerden, vertiefter Atmung, acetonartigem Geruch der Ausatemluft, begleitet von Verwirrtheit, Schläfrigkeit etc. Dies könnten Vorboten eines diabetischen Ketoazidose oder eines hyperosmolaren Komas sein – rufen Sie sofort den Notarzt.
- Warnsignale für kardiovaskuläre Ereignisse: Plötzliches Auftreten von Brustbeklemmung, Brustschmerzen, Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, oder Schwäche in einer Gliedmaße, schiefer Mund/Gesicht, undeutliche Sprache. Aufgrund der kalten Temperaturen und der Gefäßverengung ist das Risiko für kardiovaskuläre Notfälle im Winter stark erhöht – diese Symptome erfordern sofortiges Handeln.
- Gefährliche Anzeichen an den Füßen: Neu auftretende Geschwüre, Blasen, Schnittverletzungen, Rötungen, Schwellungen, Überwärmung oder Eiterbildung an den Füßen, selbst wenn keine Schmerzen empfunden werden (diabetische Neuropathie kann die Schmerzwahrnehmung beeinträchtigen), müssen umgehend ärztlich behandelt werden. Aufgrund der schlechteren Durchblutung im Winter kann sich eine kleine Wunde schnell verschlimmern und zu schweren Infektionen oder sogar Gangrän führen.
- Anzeichen schwerer Infektionen: Auftreten von Erkältungen, Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen etc. mit schweren Symptomen, schlechter Erholung und begleitendem hohem Fieber, oder die Infektion führt zu einem starken, schwer kontrollierbaren Blutzuckeranstieg.

Direktorin Li Wei betont, dass die TCM zwar "der beste Arzt derjenige ist, der Krankheiten verhindert", aber "die Verhinderung der Verschlimmerung einer bereits bestehenden Krankheit" ebenso entscheidend ist. Im Winter ist das "Yang-Qi nach innen gespeichert", die Reaktionen des Körpers können manchmal verlangsamt sein. Menschen mit Diabetes und ihre Angehörigen müssen daher besonders wachsam sein und aufmerksam beobachten. Rechtzeitige professionelle medizinische Intervention ist die wichtigste Barriere, um die Gesundheitsbasis zu schützen.