Als Kinderärztin und Mutter verstehe ich nur zu gut, wie sehr man sich nach dem Haarewaschen des Kindes zwischen „lufttrocknen“ und „föhnen“ schwertut. Dahinter steckt weniger Bequemlichkeit als vielmehr die Sorge um die Gesundheit des Kindes. Im Folgenden teile ich mein Fachwissen und meine Erfahrungen aus dem Alltag mit Ihnen.

Neugeborene und Säuglinge: Sanftes Abtupfen ist entscheidend

Bei Frischgeborenen lautet meine klare Devise: Keinen Haartrockner verwenden. Das feine, oft noch als „Lanugo“ bezeichnete Haar und die empfindliche, dünnhäutige Kopfhaut lassen sich durch selbst die niedrigste Stufe eines Föhns kaum schonend trocknen; Hitze oder übermäßige Trockenheit sind kaum vermeidbar.

Die sicherste Methode: Sofort nach dem Waschen mit einem weichen, saugstarken Tuch oder Mullwindel die einzelnen Wassertropfen vorsichtig abtupfen oder ausdrücken – so zart, als handele es sich um ein kostbares Kunstwerk. Anschließend eine dünne Baumwollmütze aufsetzen oder das Kind in einem warmen Raum halten, um Auskühlung zu vermeiden.

Kleinkinder und ältere Kinder: Flexibel, aber sicher

Sobald die Haare dichter werden und die Kinder nach dem Baden durch die Wohnung tollen, braucht es eine flexible Strategie.

Wann ist Lufttrocknen sinnvoll?

Bei warmem Wetter und ausreichend Zeit – etwa nach einem Vormittagsbad – kann man das Kind an einem gut belüfteten Platz trocknen lassen. Ein saugfähiger Haarturban oder Handtuch beschleunigt den Vorgang, ohne Hitze zu verwenden.

Wann muss geföhnt werden?

In folgenden Situationen greife ich sofort zum Föhn:

  • Vor dem Schlafengehen: Nasses Haar kühlt die Kopfhaut aus, erhöht Infektrisiko und kann Kopfschmerzen auslösen.
  • Bei Kälte oder in klimatisierten Räumen: Feuchtigkeit muss schnell entfernt werden, um Kälte zu verhindern.
  • Wenn das Kind sofort nach dem Waschen nach draußen will: Ein nasses Haupt beim Spielen im Wind erhöht die Erkältungsgefahr.

Sicherheitsregeln beim Föhnen:

  1. Niedrigste Temperaturstufe: Immer Kalt- oder lauwarme Luft, zunächst geringe Geschwindigkeit.
  2. Ausreichender Abstand: Mind. 15–20 cm Abstand zum Kopf halten, den Föhn ständig bewegen, niemals punktuell anblasen.
  3. Vorher Temperatur testen: Ich prüfe die Luftströmung an meiner eigenen Hand, bevor sie das Kind erreicht.
  4. Zuerst die Kopfhaut trocknen: Die Haaransätze sind entscheidend; vollkommen trockene Längen sind weniger wichtig als eine trockene Kopfhaut.

Praktische Tipps aus Mutterperspektive

Neben der Trocknungsmethode helfen einige Details:

  • Shampoo richtig wählen: Nur kindgerechte, mildere Rezepturen verwenden. Erwachsenen-Shampoos entfernen den natürlichen Schutzfilm und trocknen die Kopfhaut aus.
  • Schonendes Bürsten: Bei Knoten nie ziehen. Mit einem breitzinkigen Kamm von den Spitzen aus vorsichtig entwirren, vor dem Waschen kämmen vermindert Verfilzungen.
  • Ausgewogene Ernährung: Proteine (Fleisch, Ei, Milch), Vitamine und Mineralstoffe stärken das Haar von innen und verleihen ihm Glanz und Elastizität.

Kurz gesagt: Es gibt keine einzige „richtige“ Methode. Leitlinie bleibt „Kopfhaut zügig trocken, Hitze vermeiden“. Beobachten Sie Ihr Kind, passen Sie sich an – so finden Sie für Ihre Familie die beste Lösung.