Die drei wichtigsten entzündlichen Erkrankungen des männlichen Reproduktionssystems sind Prostatitis, Samenblasenentzündung (Vesikulitis) und Nebenhodenentzündung (Epididymitis). Welche Zusammenhänge und Unterschiede bestehen zwischen diesen drei Erkrankungen? Im Folgenden eine kurze Erläuterung!

Zunächst einige anatomische Grundlagen des männlichen Genitalsystems. Das männliche Genitalsystem gliedert sich in Keimdrüsen, akzessorische Drüsen und den Genitaltrakt. Zu den Keimdrüsen gehören hauptsächlich Hoden und Nebenhoden; diese sind Orte der Spermienbildung und -reifung, wobei der Nebenhoden der Ort der Spermienreifung ist und zugleich Teil des Spermientransports ist, sein distales Ende (Epidymschwanz) mit dem Samenleiter verbunden. Die Samenblase gehört zu den akzessorischen Drüsen des Mannes; ihre Funktion ist die Sekretion und Produktion des Samenblasensekrets sowie die temporäre Speicherung von Spermien; ihr distales Ende steht in Kontinuität mit dem Samenleiter. Die Prostata gehört ebenfalls zu den akzessorischen Drüsen des Mannes und ist die größte akzessorische Drüse; sie ist der Ort der Produktion des Prostatasekrets und bildet einen Teil der männlichen Harnröhre, den prostatischen Harnröhrenabschnitt; sie liegt eng benachbart zur Samenblase; ihr proximaler Anteil steht in Kontinuität mit dem Blasenausgang, ihr distaler Anteil mit der Harnröhre.

Anhand der oben beschriebenen anatomischen Merkmale ist ersichtlich, dass Nebenhoden, Samenblase und Prostata alle Teile des männlichen Reproduktionssystems sind und in vielfacher Weise miteinander verbunden sind.

Prostatitis ist eine entzündliche Erkrankung der Prostata; die Entzündungsquelle kann von der Blase, der distalen Harnröhre oder dem Genitaltrakt ausgehen, also von der Samenblasenregion (da Prostata und Samenblase sehr nahe beieinander liegen). Zystitis, Urethritis oder Samenblasenentzündung können die Prostata betreffen und eine Prostataentzündung auslösen.

Klinisch trifft man häufig Patienten mit Hämospermie an; bei der Untersuchung wird dabei oft gleichzeitig eine Prostatitis festgestellt. Dies kann daran liegen, dass die Prostatitis die Samenblasen (Vesiculae seminales) betrifft, oder dass eine Samenblasenentzündung (Vesikulitis) auf die Prostata übergreift. Ebenso wichtig sind enge Samenleiter, Tumordruck an der Stelle des Samenleiters und Samenblasensteine.

Die meisten Epididymitiden entstehen durch aufsteigende Infektionen; das heißt, die Erreger der Epididymitis stammen häufig von Infektionen der distalen Samenwege oder der akzessorischen Samenorgane und betreffen schließlich den Nebenhoden. Die häufigsten zugrundeliegenden Erkrankungen sind Prostatitis und Samenblasenentzündung. Es gibt auch spezielle Infektionen mit retrograder Ausbreitung, wie Blasen- und Harnröhrentuberkulose; eine retrograde Infektion der Samenblase kann zu Tuberkulose des Samenleiters und des Nebenhodens führen.

Die Symptome dieser drei Entzündungen können manchmal sehr ähnlich sein: So können Prostatitis und Samenblasenentzündung ein Druck- und ziehendes Schmerzgefühl im Perinealbereich hervorrufen, und die Epididymitis selbst verursacht lokal Druck- und ziehende Schmerzen. Bei akutem Schub der drei Erkrankungen kann im Urinstatus eine Leukozyturie nachweisbar sein. Alle drei entzündlichen Erkrankungen können die Qualität des Ejakulats und der Spermien beeinträchtigen und damit die normale Fertilität negativ beeinflussen.

Bei der Behandlung von Prostatitis, Vesikulitis und Epididymitis werden häufig Antibiotika gewählt, die gegen alle drei Entzündungen wirksam sind, z. B. Chinolone (wie Levofloxacin) und Makrolide (wie Roxithromycin, Clarithromycin, Azithromycin). Bei der Therapie dieser drei Erkrankungen ist es sehr wichtig, langes Sitzen und übermäßige sexuelle Aktivität zu vermeiden; die Ernährung sollte schonend sein und Alkoholkonsum vermieden werden.